Aus RaubfischWiki
Ein Gastbeitrag von © Heiko Jonas
Nachzucht Apteronotus albifrons – Der Weißstirn Messerfisch (Black Ghost)
Eine Geschichte der langfristigen Nachzucht
So wie jeder andere Liebhaber auch habe ich natürlich auch meine ganz besonderen Lieblinge unter Wasser. Und allen voran natürlich die Weißstirn – Messerfische.
Ich muss euch daher jetzt auf eine Zeitreise zurück ins Jahr 2000 nehmen. Ein nagelneues 200 x 60 x 50 Aquarium, samt allem Zubehör, einer eigens erdachten und dann tatsächlich funktionierenden Filteranlage ging in Betrieb.
Der Besatz bestand aus 3 Paaren Diskus, einigen Zwergbarschen, Kongosalmern, Panzerwelsen und ich glaub es waren zwei Royal Plecostomus. Sowie 8 kleinen Messerfischen, die sich ständig hinter der großen Wurzel versteckten, zu meinem Ärgernis.
18 Monate später. Alles war prächtig, von den Messerfischen waren 2 im Laufe der Zeit gestorben. Die anderen 6 waren prächtig gewachsen. Mittlerweile konnte man anhand der Nasenwölbung ohne Probleme den Geschlechtsunterschied erkennen. Die Männchen haben eine gerade Nase, die Weibchen haben eine mehr gewölbte Nase, ähnlich einer „Hakennase“.
Auch die Körpergröße gab Aufschluss, so waren in meinem Aquarium 4 Männchen und 2 Weibchen, und von wegen aggressiv, die Biester sind total lieb.
Das größte Männchen hat etwa 40 cm Länge, das große Weibchen etwas über 30cm. So bekam der Name „ Black Ghost“ eine wirklich treffende Bezeichnung. Und wenn man sie beim Beckenreinigen berührt, haben sie eine Haut so weich wie Samt.
Jeden Tag erfreue ich mich an den Tieren und so langsam wurde ich dann nachdenklich. Beide Weibchen zeigten einen deutlichen Laichansatz und das täglich mehr. Unsere „ Dicke“ sieht aus, als hätte sie einen Ping – Pong Ball verschluckt. Das ließ mir absolut keine Ruhe mehr. Ich sammelte sämtliche Informationen über die Herkunft, Verhalten, Wasserwerte der Heimatorte und so weiter. Zu dieser Zeit gab das noch nicht so eine Fülle an Informationen im Netz wie heute. Der größte Teil war völliger Blödsinn, genauso wie heute. Aber der Messerfisch kam aus den gleichen Gewässern, wie viele andere Fische auch, die ohne Probleme nachgezüchtet werden. Ich rede hier nicht von einer Zufallszucht, oder gar dem Nachzüchten von 7 Guppys, sondern von einer kontinuierlichen, professionell gestalteten, möglichen Nachzucht, die nicht einmalig auf Zufall beruht und das ganze im Aquarium.
Die "Fachheinis" sind sich alle einig; Eine Nachzucht im Aquarium gab es noch nicht. Obwohl man bei genauerem Hinsehen erkennen musste, dass einer diese Theorie aufstellt und 99 andere dies einfach nachplapperten. Ich bezweifelte das stark, da die Angaben doch sehr verwaschen und lückenhaft waren. Mir schien es so, dass noch keine ernsthafte Versuchsreihe mit der Nachzucht des Messerfischs im Aquarium durchgeführt wurde. Also machte ich zwei 300 Liter Aquarien in meinem Zuchtraum fertig. Dabei gab ich mir besondere Mühe verschiedene Arten von Lebensräumen zu simulieren. Jede Ecke dekorierte ich anders, zauberte pro Becken 3 mögliche Laichplätze, die Wasserwerte hielt ich normal Zuchttauglich (Leitwert lag bei 200 mS, PH – 6,5 , GH 2 KH 0,5). Dazu reichlich Fasertorf der etwa 2cm dicken Bodengrund bildet. Etwas Pflanzen an den Beckenrändern und natürlich keine chemischen oder hormonellen Zusätze. Am Abend setzte ich die beiden Weibchen mit den beiden größten Männchen in die Ehebetten. Ich glaub ich habe 2 Tage nicht geschlafen so nervös war ich. Am ersten Tag wurde, erst glaubte ich an Einbildung, tatsächlich gebalzt was das Zeug hält. Man mag nicht glauben wie liebevoll ein Messerfisch – Männchen von 40 cm mit seinem Weibchen umgehen kann. Ich saß 3 Meter davon weg in einer dunklen Ecke um nicht zu stören aber ich war zu neugierig als das ich da weg konnte. Aber mehr als flirten war nicht. Als ich am nächsten Tag gegen 14:00 Uhr von der Arbeit kam stand ich sprachlos vor dem Becken mit unserer „Dicken“. Die Dicke war dünn. Das Männchen war mit dem Kopf in dem Boden und zerwühlte alles. Ich denk ich seh nicht richtig, der frisst die Eier. Ich renn los und finde keinen Kescher, stoße mir den Kopf und bis ich endlich soweit bin hat der Kerl wohl recht viel gefressen.
Ich fange die beiden raus und setze mich vor das Becken. Mit einer Taschenlampe gehe ich gezielt auf die Suche. Die Verstecke sind alle leer, die ganze schöne Arbeit umsonst, aber im ganzen Becken verteilt finde ich jede Menge Laich. 200 – 300 – 400 Eier müssen das sein. Und groß sind sie, 3mm im Durchmesser, leicht grau - bräunlich klar und durchsichtig. Ich fasse eins an, es ist minimalst klebrig, eigentlich nicht wirklich und recht weich. Ich kann’s kaum glauben. Beim ersten Versuch! Ganz normal locker weg – nicht zu fassen.
Am nächsten Mittag beobachtete ich das zweite Pärchen. Auch die fingen an. Es handelt sich um Freilaicher, sie schmeißen die Eier genau wie Salmler und Barben einfach raus. Die Eier fallen einfach zu Boden. Und die Biester drehen sich gleich um und machen Jagd darauf, Laichräuber wie es schlimmer nicht geht.
Das ist nun etwa 7 Jahre her. Meine Dicke laichte 5 Jahre lang, dann ging sie von uns. Der Bock ist noch da, hat die stolze Länge von 45 cm, das stolze Alter von 9 Jahren und paart sich heute noch mit einer Tochter von dem anderen Weibchen. Der größte Satz unserer „Dicken“ waren über 900 Jungtiere.
Zum Verlauf: Die Eier schlüpfen nach 4 Tagen bei 27 Grad. Dabei verfärben sich die Jungtiere schneeweiß. Ein großer Dottersack nährt die Jungtiere etwa 7 – 9 Tage lang. Die Farbe der Jungtiere verblasst in der Zeit zu einem hellen fast durchsichtigem Grau. Als Aufzuchtfutter werden normale Artemia genommen, das Wachstum ist beeindruckend. Nach 3 Wochen sind sie etwa 2,5 – 3,0 cm groß und pechschwarz, der weiße Streifen auf der Nase kommt im Alter von etwa 5 Wochen zum Vorschein. Ab dieser Größe sind sie Allesfresser. Meine Zuchtpaare stellen keine großen Ansprüche an das Zuchtwasser, ist genau dasselbe was ich für meine anderen Nachzuchten verwende. Und zwar ganz auf natürlichem Wege, ich bin kein Freund von Hormonen oder anderem Firlefanz.
Nach meinen Erfahrungen sind Messerfische nach etwa 18 Monaten Geschlechtsreif, die Männchen haben dann eine Größe von etwa 25cm, die Weibchen zwischen 15 und 20 cm. Leider neigt nicht jedes Weibchen dazu einen deutlichen Laichansatz zu zeigen, da ich alle 2 Jahre etwa 50 Tiere groß ziehe musste ich feststellen das nur etwa 20 % der Weibchen nach dieser Zeit laichwillig wurden. Daher sollte man einen großen Stamm zur Verfügung haben oder sich beim Kauf von großen Tieren versichern das ein Weibchen deutlich Laichansatz zeigt.
